Internationale Fachtagung
10 Jahre Jugendbeteiligung
"Demokratie leben, Demokratie lernen"
Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Jugendbeteiligungsprojekte in Dornbirn fand am 2. Mai 2006 in der Fachhochschule Vorarlberg eine Fachtagung über die Zukunftsperspektiven von Jugendbeteiligung statt. Wir suchten ganz bewusst den Austausch mit anderen Multiplikatoren.
Thesen und Referate zum Download
Unter http://www.jugendstudie.at findet sich im Bereich "Downloads" eine umfassende Dokumentation der Fachtagung.
Die Thesen der Referenten zu ihren Themen sind nachzulesen und die Referate der Vortragenden als MP3 nachzuhören.
Die Veranstaltung fand in mehreren Räumlichkeiten der Fachhochschule Vorarlberg statt. Gleichzeitig war es auch das erste Mal, dass eine Veranstaltung der Stadt Dornbirn dort abgehalten wurde.
Über 130 Teilnehmer aus unterschiedlichen Bereichen wie Politik, Wirtschaft, Jugendarbeit, Werbung, Schule usw. folgten den Vorträgen.
Die Vortragenden und ihre Themen
Dr. Claudia Diehl vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung referierte über die "Partizipation von Migranten". Dabei hob sie hervor, dass viele Migranten politisch unterdurchschnittlich aktiv sind. Frau Diehlt führte das auf fehlende Partizipationsfähigkeiten (z.B. Bildungs-, Zeitressourcen) und Partizipationsmöglichkeiten (durch mangelndes Wahlrecht) zurück. Eine mögliche Lösung wäre ein erleichterter Zugang zur Staatsbürgerschaft.
Mit dem Thema "mehr Freiräume für und mit Jugendlichen" setzte sich DI Jutta Kleedorfer, Raumplanerin der Stadt Wien, auseinander. Dass Jugendliche ExpertInnen ihrer konkreten Lebenswelt sind, hob sie dabei besonders hervor. Daher macht es auch Sinn, sie an der Gestaltung und Organisation ihrere "Freiräume" zu beteiligen.
"Der Standart" Redaktuerin Bettina Reicher beschäftigete sich mit dem Thema "wenn Jugendliche Zeitung machen". Dabei hielt sie fest, dass Jugendliche an Politik interessiert sind. Auch Tageszeitungen können für Jugendliche attraktiv sein. Und zwar wenn die Zeitung Jugendliche am Redaktionsgeschehen teilhaben lässt und in die Berichterstattung einbindet.
Klaus Farin vom Archiv der Jugendkulturen referierte über die "Einbindung nicht konformer Jugend(kultur)gruppen." Er betonte dabei, dass die Erwachsenen den Jugendlichen und ihren Kulturen Respekt, Akzeptanz, Toleranz und Neugierde entgegenbringen sollen. Weiters muss sich auch die Erwachsenenebene verändern. Sie sollen beispielsweise akzeptieren, dass sie keine Jugendlichen mehr sind. Ebenso hob Farin hervor, dass die Jugendszene auch einen Ausstieg aus der Konsumgesellschaft bedeuten. Für den Jugendlichen bringen sie außerdem Spaß und Engagement.
Als weiterer besonderer Gast referierte auch Dr. Rita Süßmuth, Bundestagspräsidentin a.D. Das Erlernen demokratischer Lebensweisen ist ein wichtiger Bestandteil der Erziehung, hielt Frau Süßmuth fest. Jugendliche müssen auch den respektablen Umgang miteinander lernen. Auf die Frage, was denn die beste Beteiligungsmöglichkeite sie, antwortete sie, dass man in einer Gemeinsde viel durch Projekte erreichen kann. Der ausführliche Vortrag von Dr. Rita Süßmuth ist im Jahresbericht 2006 nachzulesen.
"Werbung: Wirkung statt Wirklichkeit?" war das Thema von Reinhard Ricquebourg von der Ricquebourg Werbeagentur. Er betonte, dass sich besonders Jugendliche in einer Phase der Neuorientierung und Identitätskrise befinden. Dabei bieten starke Marken Sinn und Orientierung. Sie geben Halt, Zugehörigkeiten und eine eigene Identität. Aber auch schon Österreichs Kinder kennen das Markenlogo von McDonald's früher als z.B. die österreichische Flagge. Grund dafür ist, dass die Werbung Sinn stiftet statt den Alltag weiter zu zerstückeln.
